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Trakehnergestüt Buchenhain

Den nachfolgenden Artikel von Erhard Schulte stellen wir mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift "Der Trakehner" zur Verfügung, in deren Ausgabe vom März 2009 er ursprünglich erschienen ist.

Botschafter der Leistungszucht

NICHT ALLE TAGE IST ES EINEM VERERBER VERGÖNNT, SO HOCH GEEHRT UND GESCHÄTZT ZU WERDEN, WIE DEM CARAJAN—ENKEL SARAFAN.


Die Altmark im Norden Sachsen-Anhalts ist nicht nur historische Kulturlandschaft, sondern auch traditionsreiches Pferdeland. Dort, im Örtchen Thüritz, hat vor wenigen Jahren eine besondere Pferdepersönlichkeit der Trakehner Zucht eine neue Heimat gefunden: Am 21. April 2009 soll der Carajan-Enkel SARAFAN seinen 32. Geburtstag feiern.

„Wir sind wieder da!" mit diesen Worten geben Elke und Dr. Franz-Friedrich Schubert ihren Freunden und Weggefährten aus den alten und den neuen Bundesländern bekannt, dass sie nach vier Jahren, in denen sie in eigenhändiger logistischer Meisterleistung einen Umzug mit Haus und Hof, lebendem und totem Inventar, Menschen, Pferden, Rindern, Hunden und Katzen meisterten, zu einem halbwegs normalen häuslichen Leben und zu einem geordneten Gestütsbetrieb zurück gefunden haben. Fast ein halbes Jahrhundert zählen sie zum Trakehner Verband, der Hausherr lange Jahre dem Zuchtbezirk Rheinland als Delegierter — für alle Belange um den Sport zuständig — dienend. Auf Gestüt Buchenhain bei Opladen in der Nähe Leverkusens war seit Ende der sechziger Jahre eine Trakehner Zucht zuhause. Hier legte man nie ein zentrales Augenmerk auf Erfolge auf Schauen und Körungen. Die Buchenhainer Pferde machten ihre Züchter durch zum Teil Aufsehen erregende Erfolge im Sport in der Öffentlichkeit bekannt.

Die Mutterstuten kamen meist durch Zufälle ins Gestüt — ihr züchterischer Einsatz entschied sich aufgrund der Bewährung ihrer Nachzucht unter dem Sattel — bis heute. Lediglich die schöne FEURIGE v. Magister aus dem Laskschen Leitungsstamm der Feldrose wurde seinerzeit im Gestüt Hämelschenburg gezielt erworben. Der Stamm der leistungsbereiten Schimmelstute ist bis zum heutigen Tag im Gestüt zu Hause. Im Jahre 1972 wurde das Gestüt Hengststation: Bei Peter Elxnat erwarben die Schuberts STERNGLANZ v. Herbststurm. Ein Kauf, der den Beginn einer lebenslangen Freundschaft mit dem ostpreußischen Traditionszüchter bedeutete, von dessen Erfahrungsschatz und Rat man profitierte. Als Mentor ihrer Zucht bezeichnen die Schuberts auch Gottfried Hoogen, der ihnen häufig genug „Flankenschutz" und Motivation bei ihren nicht immer populären züchterischen Wegen gab.

Sternglanz deckte bis zu seinem frühen Tod durch Kolik 1982. Er hinterließ rittige Pferde mit Adel und umgänglichem Temperament. Vor allem Mitleid war im Spiel, als die Schuberts Mitte der achtziger Jahre Sarafan entdeckten und ihn zu sich holten. Der schwarze Martin-Sohn hatte bessere Tage gesehen; 1979 beispielsweise, als er an der Hand von Hubertus Poll als Prämienhengst im Rampenlicht der Körung Neumünster stand. Nun diente er in einem Nürnberger Reitstall Reitschülern als Schulpferd und hatte sich längst mit solchem Schicksal abgefunden.

Zunächst als Pachthengst, ab 1990 als Privatbeschäler gewann Sarafan bei liebevoller und sachgemäßer Pflege zu seiner alten Form zurück. Die Zahl der ihm zugeführten Stuten hielt sich stets in überschaubarem Rahmen, aber Schuberts wussten und wissen um den züchterischen Wert ihres Hengstes, der als einer der letzten lebenden Vertreter der Leistungslinie des Carajan väterlicherseits bei PILGER, einem der besten Reitpferdelieferanten des Hauptgestüts Trakehnen, wurzelt. Die schmale mütterliche Familie der Sophie v. Merlin bringt zudem das Erbe des GABRIEL und des APFELKERN mit, zwei renommierten Erzeugern von sportlichen und leistungsstarken Pferden.

Dem schwarzen Edelmann gelang bei geringen Bedeckungsziffern ein züchterisches Meisterstück: Von seinen 26 als Turnierpferde eingetragenen Nachkommen errangen 17 Erfolge im Turniersport, von denen 15 von seinem Besitzer Dr. Schubert gezüchtet wurden. 8 davon behaupteten sich in den Klassen M und S — ihrer Abkunft entsprechend überwiegend in der Sparte Springen. Die Sternglanz-Tochter MELODIE brachte mit MONDSICHEL, MORGENSTERN, MASKERADE und MOONLIGHT 4 in Springkonkurrenzen der Klasse M erfolgreiche Kinder von Sarafan und stellte mit MERLIN einen Trakehner Springchampion und S-erfolgreichen Parcoursspezialisten. Auf drei Bundesturnieren stellte Sarafan den Trakehner Springchampion. Auch FANAL a.d. Fauna v. Sternglanz zählt dazu: Der ehemalige Springchampion und in schweren Springen siegreiche Sarafan-Sohn ist nach wie vor bei seinen Züchtern zu Hause.

Vor 5 Jahren war guter Rat teuer: Der Pachtvertrag für das Gestüt Buchenhain lief aus, das Anwesen sollte veräußert werden — zu einem zu hohen Preis, meinten Elke und Dr. Franz-Friedrich Schubert und schauten sich um. In Sachsen-Anhalt wurden sie fündig und der Hausherr tätig: Wer heute die ehemalige LPG besucht, wird des Staunens nicht müde. Pferde und Menschen führen nach den Aufbaujahren wieder ein tägliches Leben in komfortabler Umgebung. In einem alten Schweinestall fanden die seinerzeit selbst hergestellten Boxenwände und -türen aus Opladen zweckmäßige Verwendung; 22 großräumige Boxen mit viel Frischluft und Licht entstanden. Auf 21 ha wird eigenes Heu geworben; sie bieten den Pferden in der Saison großflächige Weidegründe und gewährleisten sommers wie winters der qualitätvollen Herde der Limousinrinder, die aus dem Rheinland mitkam, eine hervorragende Futtergrundlage. Voller Stolz präsentiert Dr. Schubert die 24-jährige Leitkuh. Hohes Alter und große Vitalität zeugen von guter Haltung und sachgemäßem Umfeld aller Vierbeiner.

Den besten Beweis dafür tritt der vierbeinige Hausherr an: In seinem Paddock mit Blick auf die Stutenkoppeln residiert Sarafan. Der Hengst wird herausgeführt und erstarrt beim Anblick seiner Stuten zur Säule. 32 wechselvolle Jahre sind nahezu spurlos an ihm vorüber gegangen; zwar ist die Rückenlinie ein wenig vertieft, doch die Beine und Gelenke zeigen sich glasklar, er trägt auch nicht das Haarkleid eines alten Pferdes, glatt und voller Glanz schimmert sein Fell. Doch vor allem sein Gesicht und sein Habitus ziehen in Bann: Unverkennbar ein Botschafter seiner athletischen und harten Gene, dabei schön, edel, ausdrucksstark und männlich — das Idealbild eines betagten Beschälers. Im letzten Jahr wurden ihm 6 Stuten zugeführt — sie alle wurden mit einem Sprung tragend. Auch die Perspektiven aus dem Jahr 2008 sind bedeutungsvoll: Christel Langmanns hochprämierte HERMINE VON ORANIEN v. Schönglanz steht im Gestüt und führt einen Sarafan-Sohn, der sich mit höchster Punktzahl für das Graditzer Championat qualifizierte. Dasselbe schaffte der Sarafan-Sohn a.d. Danny v. Hohenstein (Z.: Holger Ziepke). Beide Jährlinge haben das Zeug zum Anwärter, und die Züchter haben sich zum Ziel gesetzt, ihnen solche Chancen in der weiteren Aufzucht zu ermöglichen. Wenn es geling, würde ein Wunsch in Erfüllung gehen, den Elke und Dr. Franz-Friedrich Schubert bescheiden so formulieren: „Wir wünschen uns, dass Sarafan noch einige Zeit bei uns erlebt und hoffen auf weitere Nachkommen, vielleicht auch einen gekörten Sohn, damit dieses seltene Leistungsblut der Trakehner Zucht erhalten bleibt."

Erhard Schulte